Blickwechsel

Während andere an einem Tag im Jahr den Schichtwechsel begingen, machen wir das ganze Jahr über den Blickwechsel

Für die bundesweite “Schichtwechsel” Kampagne tauschen Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) an einem Tag im Jahr den Arbeitsplatz mit Arbeitnehmer*innen aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts. In Kooperation mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) fragen wir uns:

  • Was bringt dieser eine Tag den behinderten Beschäftigten in den Werkstätten wirklich? 
  • Kann dieser Tag die freie Wirtschaft sensibilisieren, mehr behinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt anzustellen? 
  • Kann dieser Tag darüber hinwegtäuschen, dass die behinderten Beschäftigten in den WfbM zwar gute Arbeit leisten, dafür aber nur ein Taschengeld erhalten?

Vorne weg:
Unser Ziel ist eine Arbeitswelt ohne Werkstätten. Wir wollen, dass Menschen mit Behinderung nicht mehr in Werkstätten müssen. Wir wollen, dass Alternativen entwickelt werden und das bereits bestehende Alternativen genutzt werden. Werkstätten müssen mehr dafür tun, dass Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Das ist ihr Auftrag!

Beschäftigte in Werkstätten verdienen nur ein Taschengeld von zwischen 80€ bis 180€ monatlich
Werkstätten vermitteln nur etwa 1% ihrer Beschäftigten in Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM bietet der Schichtwechsel Aktionstag den Werkstätten in Deutschland die Möglichkeit der gezielten, einheitlichen, öffentlichen Wahrnehmung. Der Tag stellt Werkstätten öffentlichkeitswirksam als etwas rundum positives dar. Doch wir sehen diesen Tag des Schichtwechsels sehr kritisch. Wir finden, dieser Tag tut mehr für das gute Gefühl der Menschen ohne Behinderung, als dass es den Beschäftigten aus den Werkstätten nachhaltig etwas bringt. Können an einem einzigen Tag Berührungsängste abgebaut werden? Entstehen wirklich Praktikumsplätze oder sogar Arbeitsplätze? 

Wir hoffen sehr!
Doch glauben wir, dass der Schichtwechsel eher eine Image-Kampagne der Werkstätten ist. Er zeigt ausschließlich wie toll Werkstätten sind. Dabei sind Werkstätten jedoch eigentlich kritisch zu hinterfragen. 

Warum kritisieren wir die WfbM?

Werkstätten sind nicht gut für die Gesellschaft. Sie schaffen exklusive Strukturen. Sie sorgen dafür, dass wir uns dem Problem “Wie schaffe ich Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung?” entledigen.

Menschen mit Behinderung sind in Werkstätten aus dem Blickwinkel der Gesellschaft. Sie sind in ihrem eigenen System. Nichts dringt nach Innen und nichts nach Außen. Die Mehrheitsgesellschaft denkt: “Andere kümmern sich sicher schon gut um die Menschen mit Behinderung und damit um die Inklusion.” Aber damit ist das Thema aus den Köpfen vieler Menschen. Niemand schaut genau hin, wie es den Beschäftigten vor Ort geht. Ob es nicht auch bessere Alternativen für sie geben könnte.

Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen kritisiert das deutsche Werkstattsystem
Arbeitnehmer*innen mit Behinderung können über das Budget für Arbeit einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75% bekommen

Dieses “Aus den Augen, aus dem Sinn” widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland wurde für diese exklusive Struktur bereits mehrmals von der UN kritisiert. Deutschland soll Maßnahmen schaffen, damit mehr Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. 

In Werkstätten fließt viel öffentliches Geld. Dieses Geld sollte lieber genutzt werden, dass mehr Menschen inklusiv arbeiten können. Menschen mit Behinderung sollen in Betrieben tätig sein, die sie selber ausgesucht haben. Dort sollen Sie die Unterstützung bekommen, die Sie brauchen. 

Werkstätten produzieren hochwertige und moderne Produkte und bieten professionelle Dienstleistungen an. Sie passen sich dem Markt an. Werkstätten erzeugen einen wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert. Werkstätten erwirtschaften Gewinne. Deshalb unterliegen sie auch den Gepflogenheiten des Marktes und sind gar nicht so sozial, wie viele Menschen glauben.

Ein paar Argumente, warum Werkstätten keine Inklusion bedeuten:

Teilhabe und Arbeit

Durch die Werkstatt wird keine Teilhabe am (Arbeits)Leben ermöglicht. Die Werkstatt ist eine Sonderwelt. Dort arbeiten nur Menschen mit Behinderung. Werkstätten widersprechen damit den Menschenrechten. Teilhabe findet in ganz normalen Betrieben statt. In den Betrieben arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung.

Menschen mit Behinderung bekommen in einer Werkstatt keine faire Bezahlung. Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht. Sie bekommen neben einer Grundsicherung nur zwischen 80 und 180 € Taschengeld pro Monat für ihre Arbeitsleistung.

Werkstätten müssen wirtschaftlich sein. Die Beschäftigten arbeiten oft sechs bis acht Stunden am Tag. Oft müssen sie bestimmte Stückzahlen in einer gewissen Zeit zu erreichen. Das ist Akkord- und Fließbandarbeit. Das sind Arbeiten, bei denen Menschen genauer und günstiger als Maschinen sind. Wenn die Beschäftigten nicht mehr so viel schaffen, kann es sein, dass sie auch weniger Geld bekommen.

Um in einer Werkstatt arbeiten zu können, müssen Menschen mit Behinderungen etwas leisten können. Im Gesetz steht: Sie müssen ein Mindestmaß an Wirtschaftlichkeit mitbringen. Also nicht alle Menschen mit Behinderung dürfen in einer Werkstatt arbeiten. In den letzten Jahren hat sich der Kreis der Beschäftigten stark verändert:

Während früher hauptsächlich Menschen mit Lernschwierigkeiten, einer

sogenannten geistigen Behinderung, in WfbMs beschäftigt waren, wächst heute der Anteil von Menschen mit psychischen Erkrankungen stetig.

Allgemeiner Arbeitsmarkt

Es ist die gesetzliche Aufgabe von Werkstätten, dass die Beschäftigten für den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dieser Aufgabe kommen Werkstätten kaum nach. Nur ein Prozent schafft seit vielen Jahren den Weg aus der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Es gibt viele andere Möglichkeiten, wie die Arbeit von Menschen mit Behinderung unterstützt werden kann. Eine ist die Unterstützte Beschäftigung. Eine andere Möglichkeit kann das Budget für Arbeit sein.

Berufliche Bildung

Es ist bewiesen, dass Menschen mit Behinderung in inklusiven Strukturen mehr lernen. Es ist nachgewiesen, dass Menschen mit Behinderungen dann erfolgreicher sind und bessere Ergebnisse erzielen als Menschen mit ähnlichen Behinderungen in einer speziellen Einrichtung. Außerdem sind sie weniger von Stigmatisierung betroffen. Sie entwickeln ein positiveres Selbstbild. Sie stärken ihr Selbstbewusstsein. Menschen mit Behinderung die inklusiv lernen, sind eher in der Lage einen höheren Abschluss zu erreichen. Insgesamt haben sie damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Soziales Umfeld

In Werkstätten arbeiten viele Menschen mit Behinderungen. Sie haben wenig Kontakt zu Menschen ohne Behinderung. Die wenigen Menschen ohne Behinderung in einer Werkstatt sind Gruppenleiter*innen. Sie haben das Sagen. Sie sprechen mit Kund*innen und Lieferant*innen. Sie verdienen auch viel mehr.  

Die Organisation hinter einer Werkstatt ist oft ein großer Träger der Behindertenhilfe. Diese Träger haben häufig auch Wohnheime für die Beschäftigten. Das bedeutet, das ganze Leben – also Arbeit, Wohnen, Freizeit – der Menschen mit Behinderung findet in einer Einrichtung statt. Oft sind diese Einrichtungen auf dem Land oder am Stadtrand. Die Wissenschaft nennt das „totale Institutionen“. Der Soziologe Erving Goffman untersuchte, welche Auswirkungen dies auf die Menschen hat. Er stellte fest: Diese Systeme begünstigen Gewalt und Missbrauch. Sie sind in sich geschlossen. Es gibt keine soziale Kontrolle von außen.

Anerkennung und Akzeptanz

Die Arbeit in einer Werkstatt ist nicht anerkannt. Vielen Menschen mit Behinderung ist es peinlich in der Werkstatt zu arbeiten. Es ist ein Unterschied zu sagen: Ich arbeite in einer Tischlerei oder ich arbeite in einer Werkstatt für behinderte Menschen.

„Ich arbeite in einem normalen Betrieb“ fühlt sich viel besser an. Das führt zu Anerkennung und Akzeptanz.

Selbst wenn bei der Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt etwas schief geht oder man merkt, es braucht bestimmte Unterstützungen, dann kann man diese bekommen. Es gibt viele begleitende Angebote.

Begleitende Angebote

Es gibt Menschen, die auch bei der Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt helfen. Das sind Berater*innen oder Bildungs-Begleiter*innen. Sie fördern die persönliche Weiterentwicklung. Sie helfen mit Ämtern oder wenn jemand in einer Krise ist.

Bildungs-Begleiter*innen reden auch mit dem Chef oder den Mitarbeiter*innen. Sie zeigen so den richtigen Umgang mit Menschen mit Behinderung. Manchmal ist Rücksichtnahme wichtig. Manchmal aber auch klare Regeln.

Wenn man viel Hilfe braucht, kann man einen Job-Coach bekommen. Sie helfen solange im Betrieb, bis sich alle wohl und sicher fühlen. Sie unterstützen dabei, Handgriffe und Abläufe zu lernen. Sie helfen Aufgaben zu verstehen oder den Arbeitsweg zu lernen.

Mittlerweile gibt es viele zusätzliche Angebote außerhalb der WfbM: Reisen, Sport oder Musik. Sie fördern die Gesundheit und das Wohlbefinden. Oft sind die Angebote inklusiv. Das heißt sie fördern viel mehr ein Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung. Dies wirkt sich sehr positiv auf alle Beteiligte aus. Alle haben etwas von der Inklusion.

Schutz

Viele Menschen denken: Behinderte Menschen müssen besonders geschützt werden. Eine Werkstatt ist ein “Schonraum”. Menschen mit Behinderung sehen dann nicht die Erfolge von anderen. Sie sehen nicht die eigenen Schwächen. Viele Menschen denken, dass Menschen mit Behinderung  traurig und einsam werden, wenn sie denken, dass sie etwas nicht so gut können wir andere.

Menschen mit Behinderung haben auch ein Recht zu scheitern. Aus diesen Erfahrungen lernt man. Menschen mit Behinderung können die Realität vertragen. Auch daran wachsen sie. Die Gesellschaft sollte dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen verstehen, was schief gegangen ist und welche Möglichkeiten und Lösungen es gibt. Die Gesellschaft sollte bei der Verarbeitung helfen. Die Lösung ist nicht, Menschen mit Behinderung in Watte zu packen. Menschen mit Behinderung sind stark und widerstandsfähig. 

Auch in Werkstätten gibt es zum Beispiel Mobbing. Mobbing gegen behinderte Menschen findet überall statt. Behinderte Menschen mobben genauso wie nicht-behinderte Menschen. Die Wissenschaft sagt sogar: Schonräume fördern Gewalt.

Zeit

Menschen mit Behinderung, Lernschwierigkeiten oder psychischen Erkrankungen brauchen oft mehr Zeit, um Aufgaben zu erledigen. Mehr Zeit können sie aber auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen. Der Betrieb kann Gelder dafür bekommen, Menschen mit Behinderung länger anzulernen, mehr Personal oder eine externe Person zur Unterstützung anzustellen. So haben Mitarbeiter*innen mit Behinderung mehr Zeit und weniger Druck.  Für sozialrechtliche und private Unterstützung können Beraterinnen hinzugeholt werden.

Tagesstruktur

In einer Werkstatt haben Beschäftigte eine Tagesstruktur. In Betrieben haben sie die auch. Es gibt bei jeder Arbeitsstelle einen Arbeitsanfang und einen Feierabend. Meistens gibt es gemeinsame Mittagspausen für alle Mitarbeiter*innen. 

In einem guten Team, hat man Spaß miteinander. Man wird für seine Arbeit geschätzt.

Leistungen in einer WfbM werden mit einem Taschengeld vergütet. Bei der Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommt man mindestens Mindestlohn.

Wir fordern:
Alle sollten sich fragen, ob das System der WfbM einen inklusiven Arbeitsmarkt fördert

    Wusstest du, dass Beschäftigte in einer WfbM nur ein Taschengeld bekommen?

    Menschen mit Behinderung bekommen in einer Werkstatt keine faire Bezahlung. Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht. Sie bekommen neben einer Grundsicherung nur zwischen 80 und 180 € Taschengeld pro Monat für ihre Arbeitsleistung. 

    Wusstest du, dass nur etwa 1 % der Beschäftigten wechselt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, obwohl das der gesetzliche Auftrag der WfbM ist?

    Es ist ganz klar die gesetzliche Aufgabe von Werkstätten, dass die Beschäftigten für den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dieser Aufgabe kommen Werkstätten kaum nach. Nur etwa ein Prozent schafft seit vielen Jahren den Weg aus der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei gibt viele andere, erfolgreiche Möglichkeiten, wie die Arbeit von Menschen mit Behinderung unterstützt werden kann. Eine ist die Unterstützte Beschäftigung. Eine andere Möglichkeit kann das Budget für Arbeit sein.

    Wusstest du, dass die Rente auch nur etwas mehr als 800 € beträgt?

    Ein Grund warum viele Menschen mit Behinderung in die Werkstatt gehen, ist die Rente. Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt arbeiten, haben nämlich meist schon nach 20 Jahren Arbeit einen Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Sie müssen nicht die allgemeine Wartezeit erfüllen. Weil Werkstattbeschäftigte so wenig verdienen, bezahlt der Träger der Werkstatt die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Rente entspricht nicht dem tatsächlichen Verdienst, sondern 80 Prozent vom an alle Arbeitnehmer*innen gezahlten Durchschnittsentgelt im vorletzten Kalenderjahr. Diese sogenannte Bezugsgröße ist in Paragraph 18 des Vierten Sozialgesetzbuches geregelt (SGB IV). Derzeit sind das zwischen 800 und 900 €. Das klingt erstmal verlockend, doch viel ist das nicht. Menschen mit Behinderung haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür schwer gearbeitet. Außerdem müssen davon Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt werden. Das entspricht dem Mindestlohn von einer halben Stelle. Vor Altersarmut ist man damit nicht geschützt. 

    Wusstest du, dass Menschen mit Behinderung in einer WfbM häufig 6 bis 8 Stunden täglich Akkord- und Fließbandarbeit machen?

    Die Beschäftigten arbeiten oft sechs bis acht Stunden am Tag. Oft müssen sie bestimmte Stückzahlen in einer gewissen Zeit erreichen. Das ist Akkord- und Fließbandarbeit. Wenn die Beschäftigten irgendwann nicht mehr so viel schaffen, kann es sein, dass sie auch weniger Geld bekommen.

    Wusstest du, dass es das Budget für Arbeit gibt und Arbeitgeber*innen damit bis zu 75% des Arbeitgeberbruttos plus weitere Unterstützung bekommen können?

    Seit 2018 gibt es bundesweit das Budget für Arbeit. Das Budget für Arbeit ist eine Möglichkeit außerhalb einer WfbM zu arbeiten. Mit einem Budget für Arbeit erhalten  Menschen mit Behinderung so lange wie nötig einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 % und entsprechende Unterstützungen. Voraussetzung dafür ist, dass ein*e Arbeitgeber*in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit einer tarifvertraglichen oder ortsüblichen Entlohnung mit einem Menschen aus der WfbM eingehen möchte. Außerdem kann man die Kosten bekommen für die, wegen der Behinderungen erforderliche, Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz. Menschen mit Behinderung haben ein uneingeschränktes Rückkehrrecht in eine WfbM, wenn sie nicht mehr auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten wollen oder können.

    Wusstest du, dass Menschen mit Behinderung mit einer Unterstützten Beschäftigung im Betrieb lernen und arbeiten können und trotzdem die Unterstützung bekommen, die sie brauchen?

    Unterstützte Beschäftigung (UB) ist ein Angebot für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Sie ist eine Alternative zur Beschäftigung in einer WfbM. Die UB ist eine individuelle betriebliche Qualifizierung. Das heißt Menschen mit Behinderung bekommen eine umfassende Einarbeitung, Begleitung und Unterstützung in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Es wird erst ein Betrieb gesucht, in dem der oder die Arbeitsuchende mit Behinderung zwei Jahre Zeit hat alles relevante zu lernen. Deshalb heißt der Grundsatz: “Erst platzieren, dann qualifizieren”. Ziel der Unterstützten Beschäftigung ist immer ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.

    Wusstest du, dass es viele Organisationen gibt, die helfen inklusiv zu arbeiten?

    Mit dem Bundesteilhabegesetz wurde eine Alternative zur beruflichen Bildung und zur  WfbM geschaffen: sogenannte “andere Leistungsanbieter”. Sie sollen inklusiver sein. Nutzer*innen von anderen Leistungsanbietern haben dieselben Rechte, die sie auch in einer WfbM hätten. Auch bei der Beschäftigung bei einem anderen Leistungsanbieter bekommen Menschen mit Behinderungen nur werkstattähnliche Löhne und keinen Tariflohn. Sie sind ein Anfang und erstmals eine Alternative zur WfbM. 

    Darüber hinaus gibt es bundesweit zahlreiche Vereine und Organisationen, die sich auch für einen inklusiven Arbeitsmarkt stark machen und Menschen mit Behinderungen dabei unterstützen, inklusiv zu arbeiten.

    Wusstest du, dass WfbMs gegen die Menschenrechte verstoßen und Deutschland dafür von der UN stark kritisiert wird?

    Durch die Werkstatt wird keine Teilhabe am (Arbeits)Leben ermöglicht. Die Werkstatt ist eine Sonderwelt. Dort arbeiten nur Menschen mit Behinderung. Werkstätten widersprechen damit den Menschenrechten. Teilhabe findet in ganz normalen Betrieben statt. Denn dort arbeiten  Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

    Wusstest du, dass Studien beweisen, Menschen mit Behinderung werden in inklusiven Kontexten besser gefördert als in speziellen Einrichtungen?

    Es ist bewiesen, dass Menschen mit Behinderung in inklusiven Strukturen mehr lernen und erfolgreicher sind als Menschen mit ähnlichen Behinderungen in einer speziellen Einrichtung. Außerdem sind sie weniger von Stigmatisierung betroffen. Sie entwickeln ein positiveres Selbstbild. Sie stärken ihr Selbstbewusstsein. Menschen mit Behinderung, die zum Beispiel inklusiv lernen, sind eher in der Lage einen höheren Abschluss zu erreichen. Insgesamt haben sie damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.